Was ist ein Plog?

1   der überlebensgroße Kara ben Jesus

2   Achtung!   falls dieses eine Wort in dem Satz nicht drin wäre, hätte man Karl May sehr wohl bezichtigen können, er sei ein „christlicher“ Chauvinist!!   zum Glück blieb diese Stelle die einzige auf diese Weise schlüpfrige, auf den 540 Seiten von Im Lande des Mahdi I...!!!   [Nachtrag aus dem Jahr 2000: leider erwies sich May als „christlicher Chauvinist“ in den zwei missratenen, 350 Seiten langen und an die ursprüngliche Mahdi-Geschichte unsinnig angeleimten Abschlusskapiteln von Im Lande des Mahdi III: siehe hierzu die haarsträubenden Zitate aus Mahdi III in der Rubrik Mays schlechteste Zitate!!!   jene Zitate sind im direkten Widerspruch zu Mays tolerantem Glauben, wie er wunderbar in Mahdi I oder Und Friede auf Erden! zum Ausdruck gebracht wurde; siehe hierzu das prächtige Zitat Reïs Effendinas in diesem Roman, im § 11!!   tja, jeder Schriftsteller, auch der beste (und May gehört zu den allerbesten), schreibt ab und zu unsägliche, unerträgliche Dinge und produziert schlechte Literatur: May ist dies eben, leider, in den zwei überflüssigen Abschlusskapiteln von Mahdi III passiert...   da hat er sich selber aus den Augen verloren und schrieb plötzlich, woran er selber kaum glauben konnte, wenn man das Zitat Reïs Effendinas (hier im § 11) oder Und Friede auf Erden! im Auge behält!!!   (zum näheren Hintergrund des Missratens von Im Lande des Mahdi III vergleiche den neuesten Nachtrag [2000] zur Anmerkung #15 unten)]

3   >> d. h.: einschließlich Kara Ben Nemsi, der Erzähler; dieser Auszug widerlegt wieder einmal die häufige, jedoch falsche Behauptung, der Erzähler in Karl Mays Werken sei ein „perfekter Übermensch“ !!!!

4   cf. § 5

5   ich behaupte: was hier Karl May den Reïs Effendina sagen läßt, sind in Wirklichkeit die Überzeugungen von – Karl May selbst!!!!!   es sind jedoch solche Überzeugungen, die es Karl May als Schriftsteller nicht wagen kann, öffentlich zu verkündigen!!!!!   Karl May war ja „ein evangelischer Volksschriftsteller“, noch dazu (in den Zeiten der Entstehung von Im Lande des Mahdi I) mit einer stark katholischen Leserschaft (im ›Deutschen Hausblatt‹, der Zeitschrift, in der der Erstdruck dieses Romans – in Fortsetzungen – erschien) – wie würden sich solche unorthodox religiösen Ansichten, wie jene eben hier vom Reïs Effendina wunderschön vorgetragenen, in einem solchen – ja, bigott evangelisch-katholischen – Milieu ausnehmen??!!!!   deshalb, und nur deshalb, distanziert sich – recht ungeschickt – gleich im auf diesen § folgenden Text der „eigentliche“ Erzähler (Kara Ben Nemsi, ergo Karl May) von dem hier vom Reïs Effendina Dargelegten; trotzdem ist es jedem Leser, der Karl May (vor allem den späten) gründlich kennt, völlig klar, dass Karl May nicht in jener Distanzierung, sondern eben hier, in den Worten des Reïs Effendina, aus vollem Herzen spricht!!!!!   um dies zusammenzufassen: die Figur des Reïs Effendina dient Karl May dem Schriftsteller dazu, um durch sie solche Ansichten unverblümt an seine Leser zu bringen, die er ihnen durch Karl May als Handlungsfigur unmöglich vermitteln kann!!!!   dies ist, nebenbei, ein weiterer Beweis, dass in Karl May sich nicht ausschließlich alles um die Figur des Erzählers dreht: in dieser Szene ist es eben der Reïs Effendina, der geistig überlegen ist – nur darf es Karl May der Schriftsteller nicht wagen, den Reïs Effendina auch offen als überlegen zu bezeichnen!!!!

6   cf. § 10

7   cf. zweiter Satz von § 10

8   cf. §§ 10, 13

9   cf. prec.

10   >> eine gelungene Analogie: Reiter = Lehrer, Professor; Pferd = Schüler, Student!!!!!

11   >> dies ist ebenso ankotzend-narzistisch wie aufrichtig

12   cf. prec.

13   = Gefährten, nicht Feinde (cf. prec.!)

14   cf. prec.

15   was May im bisherigen Verlauf von Im Lande des Mahdi I geleistet und den Lesern geboten hat, ist eine berauschende Mischung (!!!!!) von „Action“ , Abenteuer – und Komödie.   May ist wirklich hier in seiner Höchstform zu bewundern; ich hoffe, dass das so auch bis zum Ende des (dreibändigen!) Romans bleibt!!!!   denn: ähnlich glänzend hat Karl May zum Beispiel auch den Winnetou III angefangen – er konnte jedoch sein eigenes hohes Tempo nicht über 500 Seiten lang durchhalten...   was jedoch hier, auf den ersten 230 Seiten von Im Lande des Mahdi I May den Lesern bietet – das ist eine erzählerische Souveränität, die ich für unübertrefflich, eben: klassisch halte!!!!!   und May versteht es „nebenbei“, seine Action-Comedy mit naiv-philosophischen und religiösen Höhepunkten zusätzlich zu bereichern: zusammen ergibt das eine Mischung, die nur von Karl May stammen kann!!!!!   hier erleben wir Karl May als den perfekten, reifgewordenen Erzähler, der er in den meisten seiner früheren Romane nicht durchgehend war!!!!   erst diese erzählerische Vollkommenheit im „alten“ Stil der „Reiseerzählungen“ ist es, glaube ich, die für Karl May den Weg bahnte zu seiner „schriftstellerischen Revolution“, also zu seinen offenkundig symbolischen, nach 1899 geschriebenen Werken (der gegenwärtige Roman entstand 1891-2).   und was May in Im Lande des Mahdi I ebenso erfolgreich kombiniert, wie Action und Comedy, ist seine übliche Selbstherrlichkeit mit seiner ebenso charakteristischen (von der Literaturkritik jedoch schändlich unbeachteten) Selbst-Ironie; diese Mischung ist in Ansätzen auch in den schlechtesten Werken Mays vorhanden – jedoch eine solch hinreißende Harmonie von überheblichem und selbstironischem Karl May, wie eben in diesem Buch (und exemplarisch im gegenwärtigen § 25), habe ich selten erlebt!!!!!   [Nachtrag aus dem Jahr 1999, als ich diesen Roman bereits zu Ende gelesen habe: May ist sich in diesem Band in großem und ganzem treu geblieben, bis zum Ende.   das heißt: Im Lande des Mahdi I kann berechtigt ein Meisterwerk genannt werden.   und trotzdem würde ich es zu den kleineren Meisterwerken Mays zählen – also nicht zu den Allerbesten wie Winnetou I, Durchs wilde Kurdistan oder Mein Leben und Streben.   was erfreulich ist: inzwischen habe ich auch den zweiten Teil der Trilogie Im Lande des Mahdi gelesen; und dieser scheint mir noch besser, noch gediegener, noch hinreißender zu sein (abgesehen von einer kleinen Flaute zu Anfang des Bandes), als der gegenwärtige erste Teil – Im Lande des Mahdi II kommt fast an Winnetou I heran!!!   es bleibt abzuwarten, ob der dritte und abschließende Teil der Reihe dieses Höchst-Niveau halten kann; aus meinen Kindheitserinnerungen, das heißt aus einer damals gelesenen und wahrscheinlich schlechten Übersetzung, ließe sich vermuten, Im Lande des Mahdi III könnte der Höhepunkt schlechthin werden!!!]   [wurde es aber nicht!!   (Nachtrag aus dem Jahr 2000:)   Im Lande des Mahdi III ist einer der schlechtesten Romane, die ich je von May gelesen hab.   wie schon Winnetou II und Winnetou III scheint Im Lande des Mahdi III eines jener Werke zu sein, die man vielleicht als Kind noch mögen kann, die aber für einen Erwachsenen in dieser oder jener Hinsicht unerträglich sind: für die Reifgewordenen sind sie keine ernstzunehmende Literatur mehr.   (Im Unterschied etwa zu den für jedes Lebensalter hervorragenden Mahdi II und Mahdi I, vom Spätwerk ganz zu schweigen!!)   das Unerträgliche an Im Lande des Mahdi III ist folgendes: die ersten beiden Kapitel, 150 Seiten lang, gehören noch zum hervorragenden zweiten Teil der Mahdi-Geschichte; diese beiden relativ kurzen Kapitel sind unbedingt zu empfehlen.   sie sollten auch daher, meiner Meinung nach, künftig wieder mal zusammen mit dem zweiten Teil Mahdis verlegt werden – nicht mit dem misslungenen Rest des III. Bandes.   denn die ersten beiden Bände, sowie die ersten beiden kurzen Kapitel des heutigen III. Mahdi-Bandes, entstanden zur selben Zeit, und erschienen alle in der Hausschatz-Zeitschrift, genau in zwei Jahrgängen dieser Zeitschrift in jeweils 52 Wochenausgaben, und zwar in den Jahrgängen 1891/2 (Mahdi I) und 1892/3 (Mahdi II).   die gräßlichen und überlangen Kapitel 3 und 4 des III. Mahdi-Bandes entstanden, dagegen, erst drei Jahre später, in 1896, sind nie in der Hausschatz erschienen und wurden direkt für die Buchausgabe geschrieben.   zusammen betragen die beiden überflüssigen Kapitel 350 monumentale Seiten, die meisten davon langweilig oder empörend schlecht: siehe hierzu eine Auswahl von schlechtesten Zitaten!!!   zwar gibt es auch in Im Lande des Mahdi III viele interessante und gute Textstellen, doch insgesamt war der Roman eine große Enttäuschung für mich, und das Gegenteil davon, was ich erwartet hatte...   (vergleiche hierzu auch Anmerkung #2 oben!)]

16   cf. prec.

17   in Im Lande des Mahdi I bricht Karl May ein Klischee nach dem andern: während von der Literaturkritik Karl May stets die „Schwarz-Weiß-Schilderung“ seiner Figuren vorgeworfen wird – ist dieser Roman schon von Anfang an voll von Widersprüchen, auch gerade in der Charakterschilderung (zum Beispiel der Reïs Effendina in den §§ 9, 13, 15; Selim im § 30...)!!!!!   jeder weiß, wie Karl Mays Erzähler in den früheren Romanen einen Menschen immer unfehlbar nach dem ersten Eindruck beurteilt, bloß nach dem Gesicht und der Physiognomie – nun, dieser Fakir hier ist ein glänzendes Beispiel dafür, dass auch der vermeintlich „arrogant-übermenschliche“ Erzähler der Karl-May-Romane voll daneben liegen kann!!!!! (vergleiche hierzu § 41, viel später in dem Roman; sowie die früheren Schilderungen in §§ 27 & 28!!!   vergleiche auch den wichtigen § 25 in Im Lande des Mahdi II sowie die dazugehörige Anmerkung #10.)   – dabei gehört Im Lande des Mahdi I zur „klassischen“, traditionellen, von der Literaturkritik verabscheuten Schaffensperiode Mays – keineswegs zu den auch von ihr beachteten symbolischen Spätwerken!!!!

18   !!!!; dies ist wahrhaftig ein vor Energie strotzender Satz.   und die (vermutlich ungewollt) symbolische, wohltuende Bedeutung dieser Szene wird wohl niemand bestreiten?!?!   zur Hoffnung und zum Nicht-Aufgeben in schwierigen Lebenslagen vgl. Im Lande des Mahdi II, §§ 46 & 53; Im Lande des Mahdi III, §§ 4, 5, 7.   zur Quelle von Kara Ben Nemsis »Energie« vgl. den viel weniger gelungenen, stark missionarisch getünchten § 37 in Im Lande des Mahdi III.

19   dass „Wüste“ hier auch symbolisch zu verstehen ist, halte ich für unbestreitbar, ja notwendig; May hatte also nicht die Unwahrheit gesagt, als er behauptete, auch seine noch im 19. Jahrhundert erschienene Reiseerzählungen (wie Im Lande des Mahdi I oder Winnetou I) seien eigentlich Symbolromane: sie sind einer symbolischen Deutung fähig!!!!   jedes große Literaturwerk ist auch mehr oder weniger symbolisch im Charakter: denn unser ganzes, von großer Literatur getreu widerspiegeltes Leben mit seinen alltäglichen Gegebenheiten, symbolisiert in jedem Augenblick etwas, das dahinter steckt...!!!   große Literaturwerke zeigen uns eben verschlüsselt, was es ist, was sich hinter alltäglichen banalen Lebensereignissen vebirgt.   im konkreten Fall dieses May-Zitats dürfte man etwa so interpretieren: Wüste = (Symbol für) Workaholism, harte, unermüdliche, ausdauernde und schonungslose Arbeit (einschließlich Arbeit an sich selbst) als Lebensstil!!!!

20   siehe Anmerkung #19

21   vgl. Anmerkung #17

21.2   vgl. § 63 in Im Lande des Mahdi II, sowie §§ 2, 5 und Ende von § 33 in Im Lande des Mahdi III

22   cf. prec.

23   d. h. überhaupt nicht!!!!!   (in Im Lande des Mahdi III, vgl. § 27 und die Schwurverweigerung im § 14 ; siehe auch Anmm. #31 und #32.2 dort)

24   diese und die folgenden eckigen Klammern: Originalfußnoten Karl Mays

25   cf. prec.



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